TeX Live 2009 in Ubuntu 9.10 mit biblatex installieren

LaTeX-User dürften an der aktuellen Ubuntu-Version 9.10 zunächst keine recht Freude haben. Denn die Installation des Textverarbeitungsprogramms TeX Live über die Paketverwaltung bringt lediglich die 2007er-Version auf die Festplatte. Dies ist umso ärgerlicher, als in Debian testing/stable bereits die 2009er-Version enthalten ist.

Da es bis zum Erscheinen von Lucid Lynx (Ubuntu 10.04) mit TeX Live 2009 noch einige Wochen dauert und einzelne Pakete in TeX Live 2007 doch schon recht alt sind, musste TeX Live 2009 her. Gleichzeitig sollte die aktuelle Version des Bibliografie-Paketes biblatex (erklärt in der TeXnischen Komödie von Dominik Wassenhoven) installiert werden. Wie also vorgehen?

Installationen an der Paketverwaltung vorbei gefährden häufig die Stabilität des Systems. Im aktuellen Fall kommt hinzu, dass TeX-bezogene Programme, die nachträglich über die Paketverwaltung installiert werden, im Zusammenhang mit TeX Live 2009 Probleme bereiten können. Dies kann aber vermieden werden, wenn eine bestimmte Installationsreihenfolge eingehalten wird.

1. Installation von TeX Live 2007

Zunächst ist TeX Live 2007 ber die Paketverwaltung zu installieren:

sudo apt-get install texlive-full

Dies bringt das volle TeX Live auf den Rechner. Aktiv genutzt wird das Programm bei unserem Projekt hier zwar nicht, es sorgt aber am Anfang für die korrekten Abhängigkeiten.

2. Installation weiterer TeX-Programme

Hier ist vor allem an die Editoren zu denken: Emacs mit Erweiterung AUCTex, Texmaker (die beste Alternative zu Emacs) oder das gedit LaTeX Plugin.

3. Installation von TeX Live 2009

Beim hier beschriebenen Weg müssen zuvor die Pakete xz-utils  und perl-tk über die Paketverwaltung installiert werden:

sudo apt-get install xz-utils perl-tk

Im Terminal werden folgende Befehle ausgeführt, die die Installationsdatei herunterladen (vorsicht, 1.4 GB!), entpacken, einbinden und schließlich die grafische Installation starten:

wget ftp://ftp.tu-chemnitz.de/pub/tex/systems/texlive/Images/texlive2009.iso.xz
xzdec -cd texlive2009.iso.xz > tl2009.iso
sudo mount -o loop tl2009.iso /mnt/
cd /mnt/
sudo ./install-tl -gui

Alternativ könnte der letzte Befehl als

sudo ./install-tl

ausgeführt werden, der die Installation ohne grafische Oberfläche starten würde.

Hat man die grafische Variante (-gui) gewählt, wird man durch die nötigen Schritte geführt:

TexLive Install Gui

Die Mehrzahl der voreingestellten Optionen kann übernommen werden. Besonderes Augenmerk ist aber zur richten auf:

  • Paketgruppen der Sprach-Pakete: Wer Platz sparen möchte, kann sich hier beschränken.
  • Symbolische Links in Systemverzeichnissen: Es ist nicht zwingend erforderlich, diese Option auf „Ja“ zu setzen, da auch im Nachhinein die Pfade manuell angepasst werden können; ein Aktivieren an diesem Punkt der Installation ist aber komfortabler.

Nun kann die Installation von TeX Live 2009 gestartet werden. Der Installationsprozess wird sowohl in einem eigenen Fenster als auch im Terminal dokumentiert:

TexLive Installation Ubuntu

4. Aktuelle Biblatex -Version installieren

Weiter geht es mit der Installation der aktuellen biblatex-Version, denn auch hier bietet die Paketverwaltung nur eine veraltete Version an. Übrigens nicht zu verwechseln mit dem von Dominik angebotenen biblatex-dw, das er für seine Bedürfnisse als Historiker angepasst hat.

Zur Installation gibt auch – wie könnte es anders sein – die readme.txt Auskunft.

1. biblatex herunterladen.

2. Archiv entpacken.

unzip biblatex.zip

Das entpackte Archiv enthält drei Ordner (bibtex, doc, latex) sowie einzelne Dateien, die im Folgenden an die richtigen Stellen in TeX Live 2009 kopiert werden müssen. Da das Ganze nicht automatisiert ablaufen kann, ist hier Konzentration gefragt.

3. Zunächst ist zu prüfen, wo TeX Live installiert worden ist. In unserem Beispiel ist das /usr/local/texlive/2009 (vgl. das erste Bild oben, „TEXDIR“). Für nachträglich installierte Programme ist der Ort TEXMFLOCAL wichtig, der unter /usr/local/texlive/texmf-local liegt (vgl. ebenso erstes Bild oben).

4. Ab jetzt werden Administratorenrechte verlangt. Die etwas unfeine aber effektive Methode, diese im Dateibrowser zu erlangen, geschieht mit

gksudo nautilus

5. Gemäß der readme.txt müssen wir unter usr/local/texlive/texmf-local/tex/latex einen Ordner „biblatex“ erstellen. In diesen Ordner hinein werden die Einzeldateien aus dem heruntergeladenen und enpackten biblatex-Ordner kopiert, also die Unterordner bbx, cbx, lbx und verschiedene Einzeldateien auf gleicher Ebene.

6. Alle Dateien aus dem heruntergeladenen Ordner bibtex/bst werden kopiert in den zu erstellenden Ordner usr/local/texlive/texmf-local/bibtex/bst/biblatex.

7. Die Dateien aus dem heruntergeladenen Ordner bibtex/bib werden kopiert in den zu erstellenden Ordner usr/local/texlive/texmf-local/bibtex/bib/biblatex.

8. Wer es ganz korrekt durchführen will, kann auch noch die Dokumentation an die richtige Stelle kopieren, siehe readme.txt.

8. Zuletzt werden die file hash tables aktualisiert:

sudo texhash

5. TeX Live 2009 aktuell halten

Über die Konsole kann mit

tlmgr

bzw. für die grafische Variante

tlmgr gui

der Tex Live-Manager gestartet werden, der die Möglichkeiten zum Update einzelner Pakete bietet. Er gibt zudem die Installationsorte an und ermöglicht das Enfernen der gesamten TeX Live 2009-Installation.

TexLive Manager Ubuntu

6. Ausblick

Die Implementierung von LaTeX im aktuellen (Februar 2010) Karmic Koala von Ubuntu lässt noch viele Wünsche offen. Fast könnte man von einer verkehrten Welt reden, wenn Windows in Installation und Update einer aktuellen LaTeX-Distribution komfortabler ist. Da aber – wie oben bereits erwähnt – Debian unstable/testing mit TeX Live 2009 daherkommt, dürfte aller Voraussicht nach Lucid Lynx eine wesentliche Verbesserung darstellen. Zugleich bietet der erstmals in der 2009er-Version vorhandene TeX Live-Manager die Möglichkeit, die lokalen Pakete akteull zu halten. Damit wäre auch das Problem von Abhängigkeiten behoben, die derzeit noch ein Austricksen der Paketverwaltung über Dummy-Pakete erforderlich machen (gut beschrieben auf der Website der Fachschaft Geoinformatik der Uni Münster).

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