Geschichte

Der erste Beleg

In dem neugegründeten Herzogtum Nassau wurde im Jahre 1817 eine Umfrage in den einzelnen Schulinspektionsbezirken wegen der Neuregelung der Lehrerbesoldung durchgeführt, in der auch das Vorhandensein von Orgeln gemeldet werden sollte. So wurde die sonst seltene Gelegenheit geschaffen, für ein ganzes Gebiet eine Übersicht über die Orgeln zu gewinnen.

Auch die im Jahre 1821/27 gegründete Diözese Limburg führte Umfragen durch (u. a. 1835 und 1851), die den Bestand an Orgeln feststellte. So kann es als sicher gelten, dass 1859 die erste Orgel in der Pfarrkirche Rennerod aufgestellt wurde.

Am 22.8.1857 wurde mit Orgelbauer Weller, Wetzlar, ein Akkord (Vertrag) zu 1200 Gulden abgeschlossen, der nach Mitteilung der Regierung zur Genehmigung und Beurteilung Seminarlehrer Meister vorgelegt wurde. Die Baugenehmigung erfolgte am 19.11.1857.

1837 wurde von der bischöflichen Behörde zu Orgelneubauten aufgefordert, „da nichts mehr zur Andacht hebe und zur Humanisierung des Volkes beitrage, als ein wohlbegleiteter Kirchengesang“.

Die Orgel von 1859: Weller

Am 8. April 1859 wurde die neue Orgel aufgestellt und am Passionssonntag zum ersten Mal gespielt. Die Revision derselben von Seminarlehrer Meister zu Montabaur kostete 23 Taler und 36 Kreuzer. Dem Lehrer und Kantor Lehnhäuser wurde vom 1. April an der Organistendienst, dagegen der ganze Küsterdienst und Läuten dem Kirchenrechner Johannes Jung übertragen. Von diesen Tagen an bezieht der Lehrer Lehnhäuser aus der Kirchenkasse jährlich 22 Taler, 12 Kreuzer und Jung 120 Taler.

Über diese Orgel wissen wir leider nichts genaueres. In der vorpreußischen Zeit wurden die Kirchensteuern noch direkt an den Pfarrer gezahlt, Orgelbauten und ähnliches lagen in der alleinigen Verantwortung der Gemeinde, ohne bischöfliche Aufsicht. Die entsprechenden Pfarrakten sind beim Abbruch des alten Pfarrhauses abhanden gekommen.

Nach dem Neubau der Pfarrkirche: Klais

1875 wurde dann der Grundstein zur neuen Kirche gelegt, die infolge des Kulturkampfes erst 1884 feierlich konsekriert werden konnte. Offenbar wurde die Weller-Orgel in der neuen Kirche wieder aufgestellt. Die Pfarrchronik berichtet nämlich (1905):

„Nach mehrfachen Beratungen des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung wurde die Aufstellung einer Orgel beschlossen, da eine Restauration der noch vorhandenen, obwohl sie nicht länger als 50 Jahre im Gebrauche war, nicht praktisch erschien. Von den beiden Bewerbern: Horn-Limburg und Klais-Bonn erhielt letztere den Auftrag, ein Werk von 20 Registern für 6200 Mk zu beschaffen. Die Aufstellung erfolgte im Monat Oktober, die feierliche Benediktion (Einweihung) durch den Herrn Domdekan Hilpisch am 3. Oktober-Sonntag, nachdem 1 Woche vorher eine Prüfung des Werkes durch den Orgelbauinspektor Walter ein gutes Resultat ergeben hatte. Die Kosten sollen beschafft werden durch milde Almosen und jährliche Abzahlung nur der Steuererträge.“

1905 erbaute Johannes Klais, Bonn, dieses Werk als op. 311. Die Disposition lautete:

I. Manual II. Manual
Bourdon 16′ Gedeckt 8′
Prinzipal 8′ Salizional 8′
Hohlflöte 8′ Äoline 8′
Quintatön 8′ Vox coelestis 8′
Gamba 8′ Prinzial 4′
Gemshorn 8′ Flauto traverso 4′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Mixtur-Cornett 3–4f.
Trompete 8′
Pedal
Subbaß 16′
Violonbaß 16′
Prinzipalbaß 8′
Posaune 16′
  • Manualkoppeln: Manualkoppel, Superoktavkoppel II zu I
  • Pedalkoppeln: Pedalkoppel zu I, Pedalkoppel zu II
  • Kegelladen mit pneumatischer Traktur
  • feste Kombinationen: Piano im Pedal, Piano, Mezzo-Forte, Forte, Tutti, Zungen ab

Schäden an der Klais-Orgel

Schon in den 30er Jahren erlitt die Orgel Schaden durch eindringendes Regenwasser. „Durch den Turm regnete es auf die Glockenstube bis zum Eingang (der Kirche). Auf die Orgelbühne wie in die Orgel selbst drang Wasser infolge des Dachschadens und der durchgeschlagenen Sparren.“ Die erforderlichen Geldmittel zur Neudeckung des Daches waren erst 1940 vorhanden.

Bei dem schweren Bombenangriff auf Rennerod am 16.3.1945 wurde auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen. In einer Bestandsaufnahme der Kriegsschäden vom 5. März 1948 meldete der Kirchenvorstand: „… Kirche: Nordseite von Schiefer vollständig abgedeckt, mehrere Sparren und Innendecke der Kirche durchschlagen, Dachrinne abgerissen, sämtliche verbleite Scheiben herausgerissen, Orgel beschädigt.“

Restauration der Orgel: Wagenbach

1953 wurde die Orgel überholt und den Ansprüchen der Zeit entsprechend verändert. Äoline 8′ und Vox coelestis 8′ wandelte man durch Abschneiden der Pfeifen in Quinte 2 2/3′ und Oktave 2′ um. Anstelle der Rohrflöte 8′ trat eine Rohrflöte 4′. Die Firma Wagenbach aus Limburg, die die Orgel mehr als ein halbes Jahrhundert lang betreute, führte diese Arbeiten durch.

Ende der 70er Jahre schließlich war die Orgel in der kalten Jahreszeit unspielbar. Jeder zweite Ton blieb hängen. Der Umbau der Kirche 1967/68 hatte ihr „den Rest gegeben“, da sie ja monatelang praktisch im Freien stand. Eine Generalüberholung lohnte sich nicht mehr, sie wurde auf 100.000 DM veranschlagt. Aus finanziellen Gründen – der Umbau der Kirche kostete mehr als eine halbe Million DM – stellte man im Chor zunächst einmal eine elektronische Orgel auf. Schon bei der Anschaffung dieses Instruments gab es erwartungsgemäß Gegenstimmen. Im Juli 1977 schließlich veranstaltete man eine Befragung, bei der die elektronische Orgel eindeutig abgelehnt wurde. Nach dieser Umfrage blieb den Entscheidungsträgern keine andere Wahl, als die Aufstellung einer neuen Orgel zu planen.

Planung und Bau einer neuen Orgel: Fischer + Krämer

Die Orgel sollte 26 Register haben, zwei Manuale, ein drittes für ein später anzuschaffendes Rückpositiv. Die Disposition erstellte die Fachkommission Orgelbau vom Referat Kirchenmusik der Diözese Limburg. In den folgenden Monaten ließ sich der Verwaltungsrat einige Orgeln namhafter Firmen vorführen. Sodann wurden drei Firmen um Kostenvoranschläge gebeten.

1970 beauftragte man schließlich die Orgelbauwerkstätte Fischer + Krämer aus Endingen am Kaiserstuhl mit dem Bau der neuen Orgel. Das Bischöfliche Ordinariat Limburg genehmigte den Vertrag und gab einen Zuschuß von 30.000 DM. Auch die Anstellung eines hauptamtlichen A-Kirchenmusikers wurde in Aussicht gestellt.

Nachdem die Einrichtung dieser Stelle schon kurze Zeit später feststand, wurde der Orgelneubau in seiner Planungsphase zunächst einmal gesperrt. Die endgültige Disposition sollte unter Mitsprache des neuen Kirchenmusikers festgelegt werden.

Nach dem Studium der Vertragsdisposition legte ich dem Verwaltungsrat das Konzept meiner musikalischen Intentionen dar. Ich bekräftigte meinen Standpunkt, dass durch nur wenige zusätzliche Register wesentliches an Differenziertheit und ein großer Teil der Orgelliteratur hinzugewonnen wäre. Insbesondere lege ich Wert auf genügend Zungen und Streicher, die zur Erreichung sehr vielfältiger Registermischungen und zur Improvisation vor allem meditativer Orgelmusik unabdingbar sind. In Absprache mit der diözesanen Fachkommission einerseits und der Orgelbaufirma andererseits erstellte ich eine Disposition von 33 Stimmen, die m. E. geeignet ist, nahezu die gesamte Orgelliteratur adäquat wiederzugeben. In puncto Spielhilfen kann dasselbe behauptet werden.

Nun aber kam erst das eigentliche Problem: Wie könnte diese Erweiterung finanziert werden? – Für die Vertragsdisposition waren die Mittel im großen und ganzen zwar vorhanden, doch es bestand kaum Aussicht auf Aufnahme eines Kredits in Höhe der noch fehlenden Summe. Hinzu kam, dass sich gerade jetzt eine gründliche Renovierung des Kirchturms als unumgänglich herausstellte, da herunterfallender Schiefer zu einer ernsten Gefahr für die Kirchgänger geworden war.

Einen ersten Erfolg erzielten wir durch die Genehmigung eines weiteren Zuschusses der Diözese, der durch den Bezirkssynodalrat bewilligt wurde. Herrn Baldus aus Elsoff sei an dieser Stelle für seine Unterstützung Dank ausgesprochen. Rennerod wurde offiziell als „kirchenmusikalischer Schwerpunkt“ ausgewiesen.

Zum zweiten wurde das alte Klais-Gehäuse in die Überlegungen mit einbezogen. Der Hang zum Historischen ist meist nicht Nostalgie, sondern vielmehr (unbewußte) Ablehnung der modernen Architektur. Das Denkmalamt befürwortete die Übernahme des Orgelgehäuses, da es der einzige noch verbliebene Einrichtungsgegenstand der neugotischen Kirche ist. Es konnten dadurch Kosten in Höhe von 15.000 DM eingespart werden. Aktionen wie Pfeifenverkauf u.ä. sollten dazu beitragen, einen großen Teil der Mehrkosten abzudecken.

Nach eingehenden Beratungen der Pfarrgremien entschloß man sich dazu, die neue Orgel auf 33 Register zu erweitern, getragen von dem Gedanken, daß es sich hier um ein Werk für Generationen handelt. Mit dem nötigen Engagement wurde die Chance genutzt, ein wirklich rundum gelungenes Werk zu erstellen, das auf die umliegende Region ausstrahlen wird, SOLI DEO GLORIA.

Wolfgang Nickel