Kategorie-Archiv: Politik

Abriss der kath. Kirche St. Martinus in Borschemich

Schon mehrfach hatte ich an dieser Stelle über den Abriss von Dörfern berichtet, die im Rheinischen Braunkohlerevier Platz für die fortschreitenden Tagebaue machen müssen.

Borschemich ist eine der Ortschaften, die im Abbaugebiet des Tagebaus Garzweiler II liegen. Bis ins Jahr 898 kann das Dorf seine Geschichte zurückverfolgen – nun ist es tot. Seine ehemaligen Einwohner sind überwiegend in das zehn Kilometer entfernte, von RWE Power errichtete Borschemich (neu) gezogen.

Alle drei Wahrzeichen des alten Dorfes sind inzwischen „zurückgebaut“: die alte Linde am Ortseingang, das „Haus Paland“ und nun auch die katholische Kirche St. Martinus. Letztere wurde im November 2014 in einem liturgischen Akt entwidmet.

Eindrücke vom Untergang eines Dorfes, das bald im großen Loch verschwunden sein wird.

Haus Paland im Janur 2015

Haus Paland im Janur 2015

Die kath. Kirche St. Martinus in Borschemich im April 2013

Die kath. Kirche St. Martinus in Borschemich im April 2013

Die kath. Kirche St. Martinus in Borschemich kurz vor dem Abriss im Januar 2016

Die kath. Kirche St. Martinus in Borschemich kurz vor dem Abriss im Januar 2016

Abschiednehmen am Eingangsportal der kath. Kirche St. Martinus in Borschemich (Januar 2016)

Abschiednehmen am Eingangsportal der kath. Kirche St. Martinus in Borschemich (Januar 2016)

 

Lesens- und sehenswertes aus Borschemich auch hier, hier und hier.

Umsiedlungen und verlassene Dörfer rund um Garzweiler

Im Norden des Rheinischen Braunkohlereviers liegt der Tagebau Garzweiler II. 1,3 Milliarden Tonnen fossiler Brennstoff lagern dort. Bis zum Jahr 2045 will die RWE Power AG jährlich 40 Millionen Tonnen abbauen.

Der Tagebau ist nach dem Dorf Garzweiler benannt, das Anfang der 1990er-Jahre abgebaggert wurde. Wie Garzweiler ergeht es zahlreichen Ortschaften, die sich auf dem insgesamt 48 qkm großen Abbaugebiet befinden. Über ein Dutzend Dörfer sind bereits verschwunden. 7.600 Menschen müssen von ihrer Heimat für immer Abschied nehmen und sich mithilfe der Entschädigungen von RWE Power eine neue Existenz aufbauen (hier ein Beispiel aus dem Braunkohletagebau Hambach).

Alles verschwindet: Häuser, Denkmäler, Kirchen, Friedhöfe.

In den westlich gelegenen Ortschaften des künftigen Abbaugebietes (Kuckum, Ober-/Unterwestrich, Keyenberg, Berverath und Holzweiler) ist vom nahenden Ende noch nicht allzu viel zu sehen. Erst um das Jahr 2026/2027 soll die „bergbauliche Inanspruchnahme“ erfolgen.

Weiter östlich hat die Umsiedlung dagegen bereits begonnen. Borschemich, Lützerath und Immerath sind inzwischen fast vollständig verlassen. Nur einige Landwirte leben und arbeiten noch in ihren teils jahrhundertealten Hofgütern. Sie trifft die Umsiedlung besonders hart. Die restlichen Dorfbewohner werden von einem Sicherheitsdienst bewacht. Autos mit fremdem Kennzeichen erwecken Misstrauen. Metalldiebe haben schon mehr als einmal zugschlagen.

Rings herum das gleiche Bild: menschenleere Straßen und verlassene Häuser. Heruntergelassene Rollländen zeugen davon, dass die Bewohner erst vor Kurzem ausgezogen sind. Manchmal lassen auch die Anschriften der Sternsinger erahnen, wann die Häuser zuletzt bewohnt waren. Andernorts sind die Haustüren und Fenster inzwischen mit Beton verfüllt. Der sicherste Schutz gegen Vandalismus. Überall verwildernde die Gärten.

Eindrücke von Orten, die es bald nicht mehr geben wird, Zeugnisse der Devastierung:

(falls sich die Galerie nicht öffnet: hier der direkte Link zum Flickr-Album)

2013-04-20 Rheinisches Braunkohlerevier

Parlamentarische Reden von Abgeordneten per RSS-Feeds

2011-10-rss-feed-mdbAuch wenn der Service schon länger existiert, so ist er doch eines Hinweises wert:

Der Internet-Auftritt des Deutschen Bundestages bietet für jeden Abgeordneten einen RSS-Feed an, der seine Reden enthält. Auf besonders einfache Art und Weise bleibt man so über die parlamentarische Arbeit etwa des eigenen Wahlkreisvertreters auf dem Laufenden. Ein guter Service für alle, die das Netz ohnehin als Ort politischer Meinungsbildung nutzen.

Die Website des Bundestages weist in der Kategorie „RSS-Dienste“ auf diesen Service leider nicht eigens hin. Abonniert werden kann der Feed auf der jeweiligen Profilseite des Politikers (rechte Spalte).

 

„Creative Commons” – erklärt vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages sind nach eigener Aussage Unterstützer der Abgeordneten bei ihrer politischen Arbeit in Parlament und Wahlkreis. Sie liefern Fachinformationen, Analysen und gutachterliche Stellungnahmen.

Auf meist zwei Seiten werden in aller Kürze aktuelle Fragen beantwortet und ein Überblick über die Thematik gegeben. In der Rubrik „Der Aktuelle Begriff“ wurde am 16. November 2009 die Creative-Commons-Lizenz erklärt.

Wer sich im Netz bewegt, der dürfte nach dem Lesen keine neuen Erkenntnisse haben. Dennoch eignen sich solche Texte gut, die Creative Commons bekannter zu machen. Zahlreiche Künstler veröffentlichen ihre Werke unter ihr und auch in der Blogosphäre findet sie immer mehr Anhänger.

Die Analysen und Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes werden übrigens komfortabel als RSS-Feed zur Verfügung gestellt.

Im Vorfeld der Bundestagswahl, Teil 2: Wie funktioniert die Bundestagswahl? (BpB)

Politisches Wahlsystem für Anfänger – erklärt von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). In drei kurzen Videos wird veranschaulicht, was Überhangmandate, die Fünf-Prozent-Hürde sowie Erst- und Zweitstimme sind.

Nichts spektakulär Neues, aber dennoch recht nett gemacht.

Die Videos sind lizensiert unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/3.0/de.

Im Vorfeld der Bundestagswahl, Teil 1: Bundesradio

Man mag es kaum glauben, aber Tim Pritlove hat sich wieder einem neuem Projekt zugewandt und die ersten Ergebnisse sind wieder zu empfehlen: „Bundesradio“ nennt sich der neue Podcast, den Tim seit Kurzem zusammen mit Philip Banse in das Netz hinein sendet.

Das Konzept ist so einfach wie genial: Warum Politik nicht einmal aus der Nähe betrachten und den politischen Alltag in Berlin darstellen? Der schnelllebigen und oberflächlichen Berichterstattung wollen die beiden entgegenstehen, indem sie sich Zeit für Themen nehmen, über die in den Medien sonst kaum berichtet wird. Themen aber, anhand derer politisches Handeln verständlich wird. Ihre Motivation ist in der Rubrik „Hintergrund“ auf ihrem Blog nachzulesen.

Ein Experiment besonderer Art wagen die Macher am 27. September von 15.30 Uhr bis 20.30 Uhr unter dem Namen „Wahlstudio“. Mit prominenten Vertretern aus der Blogosphäre wird über das Abschneiden der Parteien und die Bedeutung für Urheberrecht, Überwachung und Netzneutralität diskutiert: Markus Beckedahl (Netzpolitik.org), Johnny Haeusler (Spreeblick.com), Niels Korte (CDU), Florian Bischof (Piratenpartei), Jakob Augstein (Verleger des FREITAG), Peter Schink (Welt.de), Franziska Heine (Initiatorin der Online-Petition gegen Netzsperren), Frank Rieger (CCC), Barbara von Schewick (Professor Stanford Law School) und weiteren interessanten Personen.

Bundesradio ist derzeit nicht mehr als eine Idee, auch wenn bereits drei Folgen produziert worden sind. Tim und Philip sind auf Sponsoren angewiesen, die ihnen ermöglichen, das Projekt in die Zukunft hinein fortzuführen.