Geschichte – Teil 2

Ab 1980: Die schlechte Qualität des Instruments wird mehr und mehr deutlich

Ab den 1980er-Jahren nehmen die Mängel an den Orgeln zu. Heuler treten auf, Register lassen sich nicht mehr einschalten, die Orgel zeigt den Beginn eines Holzwurmbefalls und ist besonders wetterabhängig. Zahlreiche Töne erklingen nicht mehr, unter anderem, weil Fliegen – bedingt durch die offene Bauweise der Orgel – ihre letzte Ruhestätte im Pfeifeninneren gefunden haben. Der Organist kann Reperaturen kaum selbst ausführen, weil das Instrument auf der Empore nur schwer zu zugänglich ist. Die Orgelstimmer versuchen, aus Pfeifen und Orgel das Beste herauszuholen, sind aber aufgrund der schlechten Materialqualität an der Grenze des Machbaren angelangt. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Orgelsachverständige des Bistums Limburg eine Überholung des Instruments. Verschiedene Angebote zeigen, dass mit Kosten von über 50.000 DM zu rechnen ist.

1991: Neue Chancen durch die Innenrenovierung

1991 beginnt eine längere Phase der gründlichen Innenrenovierung beider Kirchen. (Auf der Bilder-Seite finden Sie Vergleichsfotos des Kirchenraumes.) Da die Orgeln ohnehin abgebaut werden müssen, ist nun der ideale Zeitpunkt gekommen, sie in der Zwischenzeit wieder herzurichten. Bei dieser Gelegenheit sollen die Orgeln zudem um einige Register erweitert werden. Man plant  folgende Ergänzungen:

  • Chororgel Pedal: Subbaß 16′ (Bisher steht nur der Dulcian 16′ in Transmission zur Verfügung – völlig unbrauchbar.)
  • Chororgel Manual: Salicional 8′
  • Hauptwerk: Quinte 2 2/3′ und Terz 1 3/5′ (Die Orgel besitzt bis zu diesem Zeitpunkt an Aliquotregistern lediglich eine schreiende Quinte in der Chororgel.)
  • Pedal Hauptorgel: Violon 16′ und Gedackt 8′

Es folgen intensive Gespräche in den beteiligten kirchlichen Gremien, mit dem Organisten Peter Schön und dem Orgelsachverständigen des Bistums Limburg, Hans Otto Jakob. Die geplanten Erweiterungen stellen sich als äußerst sinnvoll heraus. Ein Aspekt bereitet aber allen Beteiligten Sorgen: die Folgekosten. Das System der „Taschenladen“ etwa, bei dem das Ventil unter den Pfeifen durch das Füllen einer kleinen Leder-„Tasche“ mit Luft geöffnet wird, gilt als sehr störanfällig. Wenn ein solches Bauteil defekt ist und ausgetauscht werden muss, erfordert dies zuvor den Ausbau zahlreicher Pfeifen.

Neubau statt Reperatur

Man entschließt sich deshalb, das Konzept einer aufwändigen Reparatur fallen zu lassen. Statt dessen werden Angebote für einen Neubau eingeholt. Damit die Kosten überschaubar bleiben, sollen große Teile des Pfeifenmaterials aus dem alten Instruments wiederverwendet werden.

Erneut folgt eine Phase der Überlegung und Beratung, die 1992 mit einem Auftrag zum Bau der Chororgel an die Orgelbaufirma Siegfried Sauer aus Höxter ihre Entscheidung findet. Weil die Firma Sauer auch die Hauptorgel bauen soll, wird die Disposition der Chororgel noch einmal überarbeitet und in ihrer heutigen Form festgelegt. Inzwischen ist die Renovierung zu großen Teilen abgeschlossen und die Gemeinde kann die Liturgie wieder in ihrer Kirche feiern. Weil zu Gottesdiensten auch eine Orgel spielen soll und mit einer Bauzeit von mehreren Jahren gerechnet werden muss, wird 1993 durch die Firma Sauer ein Leihinstrument zur Verfügung gestellt:

Leihorgel der Fa. Sauer/Höxter 1993

Leihorgel der Fa. Sauer/Höxter 1993

Manual Pedal
Prinzipal 8′ Subbaß 16′
Hohlflöte 8′ Oktavbaß 8′
Oktave 4′ Quintade 4′
Waldflöte 2′ Bauernflöte 2′
Quinte 1 1/3′
Mixtur 3–4f. 1 1/3′

Die starke Besetzung des Pedals erklärt sich daraus, dass das Instrument ursprünglich zweimanualig gebaut worden war. Da die Leihkosten beim Einbau der Register dieses zweiten Manuals gestiegen wären, entscheidet man sich für die Lösung mit einem Manual. Zudem ist der Aufbau der Chororgel in naher Zukunft absehbar.

Die enorme Spendenbereitschaft der Gemeinde kommt unter anderem in einem Orgelförderkreis zum Ausdruck, der am 11. März 1994 unter Federführung des Secker Pfarrers Josef Müller gegründet wird. Frauengemeinschaft, Kirchenchor, Musik- und Josefsverein unterstützen den Verein mit zahlreichen Aktionen. Im Mai macht die Firma Sauer auf Wunsch der Kirchengemeinde ein modifiziertes Angebot: Das Schwellwerk der Hauptorgel wird einen Salicional, eine Vox coelestis und eine Quinte 1 1/3′ enthalten.

Ab 1995: Das erste Instrument spielt

Im Juni 1995 ist die Chororgel aufgebaut und zusammen mit der Leihorgel spielbereit, im April 1996 wird schließlich auch die Hauptorgel bei Siegfried Sauer bestellt, die drei Jahre später fertig gestellt sein soll. Damit die Orgel mit einer mechanischen Traktur ausgestattet werden kann (der Spieltisch muss dafür direkt vor der Orgel stehen) wird die alte Empore abgebrochen und eine neue mit Treppenaufgang errichtet. Im Januar 1999 heißt es daher, von der Leihorgel Abschied zu nehmen. Während den Baumaßnahmen steht nur die Chororgel zur Verfügung. Die Freude auf das Kommende tröstet jedoch über diese missliche Lage hinweg.

Dass aber unerwartete Probleme auftreten, hat keiner vermutet …

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