Darstellung

Zwei Orgeln in einer Kirche

Blick von der alten in die neue Kirche auf die Hauptorgel

Blick von der alten in die neue Kirche auf die Hauptorgel

Die Secker Kirche St. Kilian wurde nach einem verheerenden Brand 1878 in den folgenden zwei Jahren wieder aufgebaut und 1960 bis 1963 mit einem Erweiterungsbau an der Westseite vergrößert. Der dadurch entstandene Raum ist bei der großen Kirchenrenovierung in den 1990er-Jahren durch einen Lettner optisch getrennt worden. Seitdem feiert die Gemeinde im Erweiterungsbau die Sonntags- und Festgottesdienste, im älteren romanischen Bereich der Kirche die Werktagsgottesdienste. Um den liturgischen Anforderungen gerecht zu werden, musste dieser Umstand beim Neubau der Orgeln berücksichtigt werden (siehe Geschichte der Secker Orgel).

So finden sich in der Kirche eine Haupt- und eine Chororgel, die mit je einem dreimanualigen Spieltisch (I. Hauptwerk, II. Schwellwerk, III. Chororgel) ausgestattet sind. Beide Orgeln sind selbstständig, können jedoch auch zusammen erklingen. Die Chororgel wurde im Jahr 1996 von Siegfried Sauer (Höxter), die Hauptorgel 2000 von der Orgelbaufirma Mayer (Heusweiler) errichtet.

Klangcharakteristik der Orgeln

Die Hauptorgel steht auf 16′-Basis. Der Prinzipal 16′ (im Prospekt) des Pedals sorgt für das klangliche Fundament, über das sich die weiteren Prinzipalchöre – im Hauptwerk mit 8′, im Schwellwerk und der Chororgel mit 4′ – aufbauen.

Pedal

Hauptorgel Seck

Hauptorgel

Das Pedal besitzt vier 16′-Register, die sich wie die anderen Register des Pedals durch eine klare und präzise Ansprache auszeichnen. Prinzipal 16′ und Oktavbaß 8′ sind – ebenso wie Subbaß 16′ und Gedacktbaß 8′ – als mechanische Auszüge gebaut. Dadurch konnte ein Prinzipal 16′ gegenüber dem ursprünglich geplanten Violon 16′ realisiert werden – vor dem Hintergrund des großen Kirchenraumes sicherlich ein guter Kompromiss. Der singende Choralbaß 4′ war bereits in der alten Orgel eines der schönsten Register. Auch Posaune 16′ und Trompete 8′ sind als eine Registerreihe gebaut. Klanglich Abstriche sind dank ausgezeichneter Intontation nicht zu verzeichnen.

Hauptwerk

Hauptwerk Orgel Seck

Pfeifen des Hauptwerks

Im Hauptwerk sorgt der neue Prinzipal 8′ für einen satten und tragfähigen Grundklang. Mit seiner klaren Ansprache eignet er sich darüber hinaus als Soloregister. Obwohl die Orgel nur zwei Zungenstimmen in den Manualen besitzt, ist der Gesamtklang der Orgel nicht zu labiallastig. Die Trompete ist kräftig intoniert, ohne jedoch das Mixturplenum zu übertönen, der Hautbois kommt über die übliche Funktion eines Soloregisters hinaus die Aufgabe zu, ein Gegengewicht zum Zungenklang des Hauptwerks zu bilden. Die Gedacktpommer 16′ wurde durch Verrücken um einige Halbtöne aus der ehemaligen Quintade 16′ gewonnen. So steht ein Register bereit, das sich einerseits sowohl durch Obertonreichtum auszeichnet, andererseits aber auch in der Lage ist, unter den Prinzipal 8′ ein Fundament zu legen.

Schwellwerk

Seck Pfeifen Schwellwerk Hauptorgel

Pfeifen des Schwellwerks

Im Gegensatz zur engeren und singenderen Spitzflöte des Hauptwerks ist das Bleigedackt 8′ (neu) des Schwellwerks ein grundtöniges Register. Über die Mixtur 4-5f. 2′ des Hauptwerkes setzt sich im Schwellwerk die Scharff 3f. 1′ und verleiht im Tutti dem Klang Transparenz. Die Hautbois 8′, der man den Vorzug gegenüber einem Krummhorn gegeben hatte, eröffnet ebenso wie der Salicional und die Vox coelestis ein großes Feld an Orgelliteratur, auf das bei kleinen Orgeln verzichtet werden muss. Mit den zahlreichen Aliquotregister sind interessante Mischungen möglich, sodass das Werk bei Bedarf dem klanglichen Charakter eines klassischen Rückpositivs nahekommt. Im Tutti kann ohne Quinte 1 1/3′, Sifflöte 1′ und mit den beiden 8-Füße, den Aliquotregister und der Hautbois ein Schmelzklang hervorgerufen werden, der sich gut in den des Hauptwerks fügt und nicht durch Schärfe herausfällt.

Chororgel

Chororgel Seck Gesamtansicht

Chororgel

Die Chororgel mit selbstständigen Pedal ist mit ihrer geschickten Disposition in vielfältigen Funktionen einsetzbar: Sie dient dem liturgischen Orgelspiel bei Gottesdiensten in der „alten Kirche“, ist Begleitinstrument des Chores und kann als Positiv oder Fernwerk genutzt werden. Im Tutti unterstützt sie die Hauptorgel und trägt so zu einem raumfüllenden Klang bei.

Die Disposition erlaubt eine angemessene Darstellung der Orgelliteratur aus allen Epochen. Ein Cornet  ist als „Cornet décomposé“ sowohl im Schwellwerk als auch in der Chororgel zusammenstellbar. Durch die Oktavkoppeln werden die Klangmöglichkeiten weiter vermehrt: Dank der Superoktavkoppel II-P kann ein cantus firmus im Pedal auf Zungen-4′-Basis gespielt werden, mit der Suboktavkoppel II-II ist bei gezogenem Prinzipal 4′ des Schwellwerks etwa die Begleitung des Gemeindegesangs auf 8′-Basis möglich.

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