Hörtipp: Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz über die Gesundheitsreligion

„Die Chefarztvisite ist ähnlich wie die katholische Prozession
völlig zwecklos, aber höchst sinnvoll“ (M. Lütz)

Als „Plädoyer gegen den Fitness- und Wellnesswahn“ hat der Psychiater und Theologe Manfred Lütz seinen Vortrag „Gesund und gleichzeitig krank“ in der Sendung „SWR2 Wissen: Aula“ bezeichnet. Er ist ein Plädoyer gegen die neu entstandene Gesundheitsreligion, deren Anhänger sich in den Ärzte- und Krankenhäusern (den „Kathedralen des 21. Jahrhunderts“) zusammenfinden, die als Maßstab für das eigene Leben lediglich die Ratschläge ihrer Hausärzte gelten lassen und die von „Sünde“ nur noch im Zusammenhang mit Sahnetorten sprechen.

Lütz macht mit seinen humorvollen Übertreibungen auf die ernsten Konsequenzen einer solchen Entwicklung aufmerksam: Das Leben des Gesunden ist ein Leben erster, das des (unheilbar) Kranken ein Leben zweiter Klasse.

Die Leerstelle, für die die Gesundheitsreligion selbst verantwortlich ist, versucht sie zu besetzen. Und redet von „Ganzheitlichkeit“. Mit diesem Begriff ist das Gesundheitswesen in seiner heutigen Form aber völlig überfordert.

Der Vortrag ist dennoch ein Plädoyer für das gesunde Leben, aber für ein solches, das mehr als die medizinischen Laborwerte im Blick hat. Denn: „Je mehr Krankheiten wir bekämpfen, desto mehr chronische Krankheiten kommen heraus.“ Gesundheit hängt aufs Engste zusammen mit Lebenslust. Und Lebenslust mit der Fähigkeit zu Genießen.

Welche Rolle die Altreligionen dabei spielen, kann hier nachgehört bzw. hier nachgelesen werden.

(Ein ähnlicher, aber ausführlicherer Vortrag von Lütz gibt es übrigens auch beim Domradio als Podcast.)

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