Gibt es in der katholischen Kirche noch den Ritus der „Aussegnung“?

Die „Aussegnung“, also die Segnung einer Mutter nach der Geburt eines Kindes, wurde in der katholischen Kirche bis ins vergangene Jahrhundert hinein regional sehr unterschiedlich begangen. Heutzutage wird sie nicht mehr vorgenommen, sondern ist in die Liturgie der Taufe integriert.

Der Ritus geht zurück auf das alttestamentliche Buch Levitikus (3. Buch Mose). Nach der Geburt eines Kindes durfte die Frau „nichts Geweihtes berühren und nicht zum Heiligtum kommen, bis die Zeit ihrer Reinigung vorüber“ war (Lev 12,4). Die Zeitspanne betrug nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage, nach der Geburt einer Tochter 80 Tage. Das volkstümlich noch als „Mariä Reinigung“ bzw. „Mariä Lichtmess“ bezeichnete Fest „Darstellung des Herrn“ (2. Februar, also 40 Tage nach Weihnachten) hat von dorther seinen Namen.

In der Kirche bildeten sich verschiedene Formen der Aussegnung heraus. Ab dem Mittelalter war dieser Ritus vielerorts üblich. Der Gedanke einer kultischen Unreinheit der Frau mag hier und dort noch eine Rolle gespielt haben, aber bereits Papst Gregor der Große (gestorben 604) betonte, dass eine Frau nicht zu verurteilen sei, wenn sie nach der Geburt Gott danke und die Kommunion empfange; den eigentlichen Kern der Aussegnung bildeten fortan der Lobpreis und der Dank an Gott für das neu geschenkte Leben.

Auch heute noch kennt die katholische Kirche einen besonderen Segen für Mütter. Er wird allerdings nicht mehr „Aussegnung“ genannt, sondern ist in die Liturgie der Taufe integriert: Am Ende der Feier wird die Mutter gesegnet, ebenso der Vater, die Taufpaten sowie alle Anwesenden. Einen Segen, der lediglich über die Mutter gespendet wird, gibt es nur noch für den seltenen Fall, dass sie an der Taufe ihres Kindes nicht teilnehmen kann.

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